Katrins geplante Alleingeburt an Land

Katrins geplante Alleingeburt an Land

Als ich im Januar bemerk­te, dass ich zum drit­ten Mal schwan­ger bin, war für mich klar: Dieses Mal mache ich alles anders. Meine erste Geburt war klas­sisch, voll mit Unter­su­chun­gen und Über­wa­chung. Alles schien gut, doch meine Intui­ti­on sagte etwas ande­res. Natür­lich hatte ich recht, und ich lan­de­te im Kran­ken­haus mit einer Bauch­ge­burt.
Beim zwei­ten Mal habe ich mich besser vor­be­rei­tet – mental und kör­per­lich. Es war ein Stück weit hei­lend, den­noch trugen sich ver­schie­de­ne Ängste im Nacken.
Dieses Mal war für mich klar: Selbst wenn ich eine Heb­am­me haben sollte, berei­te ich mich auf eine Allein­ge­burt vor. Es war eine freie Schwan­ger­schaft, ohne Kon­trol­le durch den Arzt. Ich habe meinen Mann darauf vor­be­rei­tet, eine Allein­ge­burt zu machen. Er hatte Ängste, stand aber immer hinter mir und meinen Wün­schen.
Wir ent­schie­den uns gemein­sam, eine Backup-Heb­am­me zu haben, falls wir uns wäh­rend der Geburt doch gegen eine allei­ni­ge Durch­füh­rung ent­schei­den soll­ten. Die Heb­am­me unter­stütz­te unser Vor­ha­ben und war mit im Boot.
Meine Geburt kün­dig­te sich schon zwei Wochen vorher an, ähn­lich wie bei der zwei­ten Geburt. Ich nahm die Vor­be­rei­tung meines Kindes dank­bar an, weil ich wusste, dass das die eigent­li­che Geburt beschleu­ni­gen würde. Ab dem 19.10. kamen tags­über zu den Kon­trak­tio­nen noch Unter­leib- und Rücken­zie­hen hinzu. In der Nacht war aber immer alles ruhig. Am Tag der Geburt, dem 21.10., Neu­mond, wusste ich: Heute kommt mein Kind. Ich lag nachts ab 4.20 Uhr wach neben meiner Toch­ter und hatte spo­ra­disch immer mal wieder Kon­trak­tio­nen. Um 07.15 Uhr wurde ich unru­hig, merkte, dass mein Darm sich ent­lee­ren musste. Danach, von jetzt auf gleich, schraub­te sich die Inten­si­tät der Wehen nach oben. Für mich war klar, alle 3 Minu­ten in der glei­chen Inten­si­tät – das bedeu­te­te, dass es nicht mehr lange dauern würde.
Mein Mann machte, wäh­rend ich am Ver­at­men war, die zwei großen Kinder fertig. Da bei uns eine Erkäl­tung mit Fieber ein­ge­zo­gen war, brach­ten wir die Kinder zu den Groß­el­tern. Vor allem unsere Kleins­te brauch­te viel Auf­merk­sam­keit. Um 08.45 Uhr waren alle aus dem Haus, mein Mann orga­ni­sier­te Unter­stüt­zung durch meine Freun­din & Nachbarin.Diese berei­te­te mir einen Wohl­fühl­raum vor, ent­zün­de­te Kerzen, machte Musik an und trom­mel­te ab und an für mich. Mein Mann küm­mer­te sich darum, dass meine Doula sich auf den Weg macht. Die Wellen nahmen im Vier­tel­stun­den­takt an Inten­si­tät zu. Mit jeder Welle ging ich in die Hocke und schüt­tel­te mein Becken leicht aus.
Als mein Mann zurück­kam vom Kinder weg­brin­gen, musste er noch den Hund lüften. Ich meinte nur zu ihm: „Bist du dir sicher, dass du das noch machen willst?“ Ich merkte, es könnte knapp werden. Das war viel­leicht 40 Minu­ten vor der Geburt. Dann klin­gel­te die Doula und war sofort bereit. Mein Mann lief noch­mal mit dem Hund, wäh­rend ich voll im Geburts­pro­zess war. Meine Freun­din brach­te mir den Gym­nas­tik­ball, damit ich mich in den Pausen etwas dar­über lehnen konnte. All meine Kräfte wurden gefor­dert, manch­mal hatte ich das Gefühl, die Inten­si­tät über­rollt mich.
Mit jeder wei­te­ren Wehe drück­te meine Doula das Becken etwas zusam­men – das war so wohl­tu­end. Als mein Mann 15–20 Minu­ten später, so gegen 09.15 Uhr, wie­der­kam, fingen auch schon die effek­ti­ven Wehen an.
Ich konnte jetzt aktiv mit­wir­ken und den Weg des klei­nen Kindes durch das Becken mit­be­stim­men. Ich spürte genau, in welche Rich­tung ich das Becken kippen musste. Um 09.55 Uhr wurde mein klei­ner Mann nahezu in einem Zug gebo­ren, im Vier­füß­ler­stand über dem Ball lie­gend. Die Doula „fing“ den Klei­nen auf und schob ihn sofort unter meinen Beinen zu mir durch. Er atmete sofort, schrie kräf­tig, und ich hob ihn direkt, völlig über­wäl­tigt, zu mir an die Brust.
Zuerst brauch­ten wir alle etwas Zeit, um anzu­kom­men. Mein Mann rief die Heb­am­me an. 
Die Pla­zen­ta ließ sich Zeit, mein Körper brauch­te Ruhe nach einer so raschen Geburt.
Die Heb­am­me war etwa eine Stunde nach der Kinds­ge­burt vor Ort. Nach unge­fähr ein­ein­halb Stun­den wurde auch die Pla­zen­ta gebo­ren. Wir haben gemein­sam noch­mal die Pla­zen­ta auf Voll­stän­dig­keit geprüft und danach ein gutes Stück für mich zum Essen her­aus­schnei­den lassen. Außer­dem haben wir einen Amni­on­mond und einen Pla­zen­ta-Abdruck gemacht, bevor dann nach Ver­let­zun­gen geschaut wurde. Wir haben zuerst eine DR 2-Ver­let­zung ver­sorgt, bevor die Kinder kamen, und danach wurde nur noch geku­schelt.
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Das Kind wollte so schnell raus, und im Nach­hin­ein denke ich, dass es des­halb so eilig hatte, weil es wohl Stress hatte. Das Frucht­was­ser war schon leicht grün, was mög­li­cher­wei­se darauf hin­ge­deu­tet hat, dass es kurz­zei­tig stres­sig gewe­sen sein könnte. Ich bin froh, dass ich in den Wochen vorher auf meine Intui­ti­on gehört – und mich gegen eine Was­ser­ge­burt ent­schie­den habe.
Es war eine wun­der­schö­ne, intui­ti­ve, rohe, wilde und laute Geburt – ein­fach nur für uns.
Annas Land-Alleingeburt beim ersten Baby

Annas Land-Alleingeburt beim ersten Baby

Schon zu Beginn meiner Schwan­ger­schaft war klar: Ich möchte mein Kind nicht im Kran­ken­haus gebä­ren. Das Geburts­haus war leider zu weit ent­fernt, also begab ich mich auf die Suche nach einer Haus­ge­burts­heb­am­me. Gesucht und gefun­den hatte ich die ersten Vor­sor­gen, doch nach und nach stell­te ich so manche Behand­lung infra­ge und begann, mich zu bele­sen. In der 27. SSW war mir klar, ich möchte völlig unge­stört gebä­ren, ohne jeg­li­che Inter­ven­ti­on. Das kom­mu­ni­zier­te ich so meiner Heb­am­me, die davon über­haupt nicht begeis­tert war. Ich stelle ihr Berufs­bild infra­ge und sie müsse min­des­tens mal die Herz­tö­ne kon­trol­lie­ren oder mich gege­be­nen­falls nähen, sagte sie mir. Somit kün­dig­te sie den Ver­trag auch für Vor- und Nach­sor­ge. Womit ich aber voll­kom­men ein­ver­stan­den war. Ich war zum drit­ten Ultra­schall noch­mals bei der Frau­en­ärz­tin und sie beschrieb mir die Lage meiner Vor­der­wand­pla­zen­ta. Zucker­test ver­wei­gert ich. Bei diesem Ultra­schall ver­such­te sie aller­dings, mir Angst zu machen, dass das Kind nicht zeit­ge­recht ent­wi­ckelt und viel zu schmäch­tig sei. Sie emp­fahl eine stren­ge Über­wa­chung und gege­be­nen­falls müsste man es eher holen und zwangs­er­näh­ren. Ich wusste aller­dings, dass es meinem Baby gut ging. Es war aktiv und diese Berech­nun­gen sind zudem sehr unge­nau. Danach setzte ich keinen Fuß mehr in die Praxis. Nun war ich am Ende der Schwan­ger­schaft ganz auf mich allein gestellt, was mich nicht ver­un­si­cher­te, ganz im Gegen­teil. Ich ver­such­te, die Kinds­la­ge zu tasten, was für die Vor­der­wand­pla­zen­ta aber sehr schwer war. Des­halb infor­mier­te ich mich auch gründ­lich zu BEL und übte mich im Ver­trau­en und in der Kör­per­in­tui­ti­on.

Nun aber zum Geburts­be­richt. Der errech­ne­te Geburts­ter­min war der 24.09. Aller­dings hatte ich schon mit dem Gedan­ken gespielt, dass er ein Okto­ber­kind werden möchte. Zum Glück hatte ich nie­man­den, der mir mit einer Ein­lei­tung drohte oder mir Angst machte. Ich ließ es ein­fach auf mich zukom­men. 

8 Tage nach ET löste sich lang­sam der Schleim­pfropf, was sich bis ET + 11 zog. An diesem Morgen wurde ich gegen 5:30 Uhr von meiner ersten Wehe geweckt. Ich blieb still im Bett liegen, weil ich sicher­ge­hen wollte, dass es echte Wehen sind. Gegen 7:30 Uhr erwach­te mein Mann, ich hatte immer noch Wehen im 15-min-Abstand. Nun war ich mir sicher, dass es los­ging. Ich unter­rich­te­te meinen Mann. Er war völlig aus dem Häus­chen. Ich beru­hig­te ihn vor­erst und schick­te ihn noch zur Arbeit. Mein Gefühl sagte mir, es dauert bestimmt bis zum Abend. Nach­dem er unter­wegs war, hatte ich Zeit, noch das Haus zu putzen. Die Wehen waren regel­mä­ßig im Abstand von 15–20 min und fühl­ten sich an wie leich­te Unter­leibs­krämp­fe, gut zu ertra­gen. Ich ging noch etwas spa­zie­ren, danach setzte ich mich auf den Pez­zi­ball. Plötz­lich war mein Hös­chen etwas nass, aber ich schenk­te dem keine wei­te­re Beach­tung. Gegen Nach­mit­tag wurden die Wehen stär­ker, aber mit immer noch ziem­lich langen Pausen. Ich zog mich ins warme Bade­zim­mer zurück. Um 17:00 Uhr kam mein Mann wieder und gesell­te sich zu mir. Wir setzen ins Geburts­zim­mer über. Ich hatte es mir schön gemüt­lich gemacht mit Kerzen und mit meiner Geburts­play­list ließ es sich gut aus­hal­ten. Mein Mann saß im Sessel, ich wech­sel­te zwi­schen Pez­zi­ball und Yoga­mat­te. Nun waren die Abstän­de kürzer. Gegen 21:00 Uhr wollte ich in die Wanne, was mir aller­dings gar nicht zusag­te. Nach drei Wehen war ich schnell wieder raus. Mit der Zeit wurden die Wehen auch immer hef­ti­ger. Ich begann zu tönen. Das Kind spürte ich immer wieder, das gab mir Gewiss­heit, dass alles gut war. Ich hatte das Gefühl, er schob sich nach unten. In den Wehen­pau­sen ver­such­te ich, die Posi­ti­on zu wech­seln. Damit er sich rich­tig ein­stel­len konnte. Um 23:00 Uhr ging es mir rich­tig schlecht, ich hatte das Gefühl, mich über­ge­ben zu müssen, gleich­zei­tig waren die Wehen unglaub­lich stark und ich kniete mich auf ein großes Kissen. Mit den nächs­ten Wehen dachte ich, es geht zu Ende, ich konnte das nicht mehr. Mein Mann wusste, dass dieser Zeit­punkt kommen würde. Er bestärk­te mich und redete mir gut zu. Ich ver­such­te, zu fühlen, wie weit ich war, bezie­hungs­wei­se ob ich schon das Köpf­chen spüren könnte, doch ich fühlte nur etwas Glat­tes, was ich nicht iden­ti­fi­zie­ren konnte. Mit den nächs­ten Wehen kam das starke Gefühl auf, pres­sen zu müssen. Meine Hände auf den Boden stüt­zend, saß ich auf meinen Fersen kniend und press­te mit voller Kraft. Hätte ich zwar nie gedacht, aber ich wurde auch ziem­lich laut. Das wie­der­hol­te sich bestimmt 20 Mal. Ins­ge­samt dau­er­te die Press­pha­se 2 Stun­den. Dann end­lich hatte ich das Gefühl, etwas zwi­schen meinen Beinen zu haben. Es war das Köpf­chen kurz vorm Aus­tre­ten. Ich schob mit der nächs­ten Wehe mit und raus war der Kopf. Ich wollte nicht mehr warten, press­te noch einmal und da war der kleine Mann. Um 01:00 Uhr war er gebo­ren. 

Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Wir woll­ten auf die Pla­zen­ta warten, bevor wir abna­bel­ten, doch die Nabel­schnur war extrem kurz, ich konnte ihn kaum hoch­he­ben. Da ich extrem zu zit­tern begann, trenn­te mein Mann sie nach eini­gen Minu­ten ab. Ich legte ihn an die Brust und nach zwei Nach­we­hen kam auch schon die Pla­zen­ta. Ich ver­kos­te­te sofort ein Stück, damit es zu keinen star­ken Nach­blu­tun­gen kam. Meine Geburts­ver­let­zun­gen hiel­ten sich in Gren­zen: ein klei­ner Riss im Damm­be­reich, der gut ver­heil­te. 

Es war eine wun­der­schö­ne Geburt und ich würde alles so wieder machen, bis auf die Tren­nung der Nabel­schnur. Heute weiß ich, wie wich­tig es ist, zu warten und dass mein Kind nicht zwin­gend sofort an die Brust muss, son­dern der Haut-zu-Haut-Kon­takt auch im Unter­bauch­be­reich voll­kom­men aus­reicht. 

Ich bin froh, mich für die Allein­ge­burt ent­schie­den zu haben. Auch wenn ich dazu sagen muss, dass es eine sehr schmerz­haf­te Geburt war. Ich kann nicht behaup­ten, dass es bei mir, wie so oft in der Insta­gram-Welt dar­ge­stellt, völlig schmerz­frei und laut­los war. Ganz im Gegen­teil. Am nächs­ten Morgen war ich heiser, weil ich so laut war. Zudem war für mich von vorn­her­ein klar: Der Schmerz gehört in wel­cher Form auch immer irgend­wie dazu. Des­halb bin ich jetzt auch nicht abge­schreckt. 

Ich glaube, viele Frauen setzen ihre Erwar­tun­gen auch zu hoch. Es gibt bestimmt die schmerz­freie Geburt, doch die Mehr­heit hat doch Schmer­zen und das darf man nicht ver­teu­feln. Der Geburts­schmerz ist ein sehr schö­ner Schmerz und macht auch viel mit unse­ren Emo­tio­nen. 

Dieses Gefühl, das Danach, ist unbe­schreib­lich, es end­lich geschafft zu haben. 

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass mein Klei­ner mit 3800g zur Welt kam und kei­nes­falls zu schmäch­tig war. Also, diese Ultra­schall­un­ter­su­chung war völlig für die Katz. Auch die Über­wa­chung der Herz­tö­ne unter der Geburt emp­fin­de ich als nicht not­wen­dig. Ich habe ein­fach auf seine Impul­se geach­tet und wusste, es geht ihm gut. 

Liebe Grüße Anna 

Meine geplante Alleingeburt in Paraguay

Meine geplante Alleingeburt in Paraguay

 

Wir hatten eine wun­der­schö­ne und ruhige Allein­ge­burt zu Hause, die für mich sowohl lang als auch anstren­gend war da sie sich ins­ge­samt über drei Tage hin­streck­te. Eine sehr schöne Erfah­rung war es für mich und für meinen Part­ner, da wir die Geburt zu zweit zu Hause ohne frem­den Ein­fluss meis­ter­ten, im Ver­trau­en und im Fluss mit uns selbst und unse­rem Baby was sich lang­sam auf den Weg machte. Wir waren auf unse­rer Geburts­rei­se hin­durch manch­mal auch unsi­cher und etwas besorgt gewe­sen, doch unsere beider innere Stimme hatte uns zu jeder­zeit ver­si­chert, dass alles gut war und wir nur weiter machen müss­ten, damit unser klei­ner zu Hause das Licht der Welt erbli­cken würde, und so kam es dann auch!

Alles begann am 01.04.22 ca. um 16 Uhr, als ich bemerk­te dass Frucht­was­ser aus mir heraus lief, in klei­nen Mengen, nicht schwall­ar­tig son­dern eher immer wieder ein klei­nes biss­chen was ich mit einem klei­nen Hand­tuch auf­sau­gen konnte. Zu diesem Zeit­punkt lagen wir gemein­sam im Bett denn wir hatten unmit­tel­bar davor mit­ein­an­der geschla­fen. Gegen 17 Uhr ging ich unter die Dusche, wo dann plötz­lich der Schleim­pfropf abging und mit einem leisen plopp auf den Boden der Bade­wan­ne fiel. Er war etwa mün­zen­groß und trans­pa­rent, weiß­lich, röt­lich.

Ich wusste damit end­gül­tig, dass die Geburt bald begin­nen würde, wusste aber auch, dass es bis zum Ein­set­zen der Wehen bis zu 24 Stun­den dauern könnte. Wir freu­ten uns sehr, dass die Geburts­rei­se nun begon­nen hatte und waren auch über­rascht, da die Geburt laut Rech­nung eher zwi­schen dem 10. und 15. März begin­nen sollte.

Wir ent­schie­den uns, dass wir die Geburt ent­spannt und ruhig ohne unsere zwei grö­ße­ren Kinder erle­ben woll­ten und orga­ni­sier­ten spon­tan ihre Betreu­ung bei Groß­el­tern und Mutter. Danach ver­brach­ten wir den Abend ent­spannt gemein­sam, schlie­fen die ganze Nacht durch und war­te­ten den nächs­ten Tag über bis Nach­mit­tags um ca. 16 Uhr ab, wo ich dann schließ­lich die erste Wehe ver­spür­te. Ich hatte wei­ter­hin über den gesam­ten Zeit­raum Frucht­was­ser ver­lo­ren, was aller­dings immer in klei­ne­ren Mengen gele­gent­lich aus mir her­aus­lief und ich mit Stoff­bin­den und Win­del­tü­chern auf­fing.

Anfangs waren die Wehen leicht doch wurden sie schnell etwas inten­si­ver, doch konnte ich sie atmend sehr gut aus­hal­ten. Wir schau­ten bei jeder Wehe auf die Uhr und notier­ten die Zeit um die Abstän­de zu beob­ach­ten, sie kamen jeweils immer im 20, 15 oder 10 Minu­ten­takt unre­gel­mä­ßig.

Wäh­rend ich die Wehen spürte und ver­at­me­te, wan­der­te ich durch das Haus, schau­kel­te und wippte auf meinem Ball oder  stütz­te mich wäh­rend­des­sen auf dem Ess­tisch ab. Da es warme Tage waren, hatten wir zwei Matrat­zen in die Küche gebracht, wo wir einen Decken­ven­ti­la­tor und die Kli­ma­an­la­ge haben um es uns dort im kühlen gemüt­lich zu machen. (Wir leben in Para­gu­ay, wo es an diesen Tagen drau­ßen ca. 35° hatte)

Ich hatte unre­gel­mä­ßi­ge und rela­tiv leich­te Wehen bis 2 Uhr mor­gens, danach legten wir uns zum schla­fen hin und die Wehen began­nen erst wieder am nächs­ten Tag (03.03.22) Vor­mit­tags gegen 9 Uhr. Wir notier­ten wei­ter­hin die Wehen­ab­stän­de bis ca. mit­tags und hörten dann auf, da sie wei­ter­hin unre­gel­mä­ßig kamen und wir es vor­zo­gen uns aus­schließ­lich auf die Geburt selbst und nicht mehr auf die Uhr zu kon­zen­trie­ren.

Im Laufe der gesam­ten Geburts­rei­se ging ich öfters in die Bade­wan­ne, die mir mein Part­ner mit warmem Wasser gefüllt hatte. Dort konnte ich mich sehr gut ent­span­nen und nickte auch gele­gent­lich zwi­schen den Wehen ein. Manch­mal emp­fand ich es in der Wanne wegen dem andau­ern­dem Posi­ti­ons­wech­sel ermü­dend, da ich mich in der Pause hin­setz­te und mich für die Wehe umdreh­te um auf einem Hand­tuch zu knien.

Wei­ter­hin kam immer wieder Frucht­was­ser, nun aller­dings bräun­lich durch Meko­ni­um ver­färbt. Ich tas­te­te gele­gent­lich nach dem Mut­ter­mund und mein Ein­druck war meist dass er ca 4 Finger breit offen stand und ich konnte Babys Köpf­chen dar­über spüren. Mein Ein­druck war, dass der Mut­ter­mund sich nicht weiter öff­ne­te son­dern bei diesen ca 4 Fin­gern stehen blieb, obwohl ich inzwi­schen inten­si­ve­re Wehen bekam, die ich alle bereits ver­tön­te. Und so machte ich mir Gedan­ken dar­über, ob das Köpf­chen viel­leicht nicht rich­tig ein­ge­stellt sein könnte, und daher nicht tiefer treten konnte um dabei den MM zu weiten. Ich suchte in meinem Buch „Allein­ge­burt“ nach den Übun­gen um die Kinds­la­ge zu ver­bes­sern und ver­such­te es ein mal mit Hüfte hoch­le­gen über 3 Wehen. Ich konnte es aus­hal­ten, doch war es mir sehr unan­ge­nehm über 3 Wehen in dieser Unbe­que­men Posi­ti­on zu ver­blei­ben ohne mich nach meinem Gefühl bewe­gen zu können. Nach­dem ich diese Übung ein mal gemacht hatte, beschloss ich ein­fach wei­ter­hin abzu­war­ten und die Wehen­pau­sen im liegen zu ver­brin­gen da ich mich bis dahin schon recht erschöpft fühlte. Ich schlief in den Wehen­pau­sen immer wieder ein und stand auf um in den Vier­füß­ler­stand zu gehen sobald ich merkte dass sich wieder eine Wehe näher­te, da ich sie im liegen nicht mehr gut aus­hal­ten konnte. Nachts hörten die Wehen dann wieder auf, sodass ich über ein­paar Stun­den schla­fen und neue Kraft sam­meln konnte. Über diesen Zeit­raum der Sorgen und Zwei­fel half mein Part­ner mir sehr, da er auch über den Geburts­ab­lauf recher­chier­te und mich mit dem was er mir erzähl­te immer wieder bestä­tig­te dass alles normal und gut ver­lief.

Am nächs­ten Morgen, dem 04.03.22 ver­spür­te ich starke Wehen, die ich meist vor einem Stuhl auf der Matrat­ze kniend mit der Hüfte krei­send oder auf dem Ball krei­send ver­tön­te. Ich merkte immer grö­ße­ren Druck und Schmerz auf meinen unte­ren Rücken und bat daher meinen Part­ner bei jeder Wehe von hinten auf meinen unte­ren Rücken zu drü­cken oder von beiden Seiten die Hüfte mit den Händen zusam­men zu drü­cken, dadurch ver­spür­te ich unter den kräf­ti­gen Wehen große Erleich­te­rung, eben­falls merkte ich dass ich instink­tiv mit press­te wenn die Wehe an ihrem Höhe­punkt war.

Gegen Mittag unge­fähr berei­te­te er mir eine wei­te­re warme Bade­wan­ne vor, die ich dann aber vergaß, da ich von der Geburts­ar­beit so ein­ge­nom­men war sodass er mich regel­recht dazu über­re­den musste hinein zu stei­gen, nach­dem er Nach­mit­tags wei­te­res Heißes Wasser hin­ein­ge­füllt hatte. Die Wehen­ab­stän­de waren nun so kurz, dass ich mich bei­na­he auf nichts ande­res als das kon­zen­trie­ren konnte und sie mich schon auf dem Weg zwi­schen Küche und Bad über­mann­ten. Als ich dann end­lich in der Wanne hockte wurden sie sehr inten­siv, ich brauch­te den Druck auf meine Hüfte unbe­dingt um sie noch aus­hal­ten zu können und hatte Lust wäh­rend­des­sen nach unten mit zu drü­cken. Mein Part­ner Fragte mich ob er die Kamera zum filmen ins Bad holen sollte, doch konnte ich ihn nun nicht mehr weg lassen, da die Wehen nun fast unun­ter­bro­chen da waren. Ich beweg­te mich in die tiefe Hocke par­al­lel zur Bade­wan­ne, damit die Knie nach außen gespreizt sein konn­ten und fühlte nach dem Köpf­chen. Es war nun schon sehr nah am Schei­den­aus­gang zu spüren und kurz davor nach außen zu treten. Mein Part­ner tas­te­te auch danach und konnte das Köpf­chen eben­falls spüren. Gefühlt in der nächs­ten Wehe näher­te sich der Kopf an, sodass man schon die Haare sehen konnte, wir tas­te­ten beide danach und erfühl­ten ihn. Die hef­ti­gen und schmerz­haf­ten Wehen waren damit vor­über und ich fühlte Babys Köpf­chen ganz weit unten in der Schei­de, die sich bren­nend dehnte. Ich war nun ganz still gewor­den und war­te­te gemein­sam mit meinem Part­ner gespannt und voller Vor­freu­de auf die nächs­te Kon­trak­ti­on, die das Köpf­chen durch­tre­ten lassen würde. In der nächs­ten kam der Kopf etwas tiefer und Nahuel meinte eine Stirn zu erken­nen… ich war ungläu­big da dies bedeu­ten würde, dass der Kleine gerade in Stern­gu­cker­la­ge gebo­ren würde. Wir war­te­ten in Stille gespannt weiter, und in der nächs­ten Kon­trak­ti­on glitt sehr lang­sam, sanft und leise der Kopf und der gesam­te Baby­kör­per aus mir heraus in meine Hände im warmen Wasser. Ich bemerk­te dass seine Nabel­schnur um den Hals gewi­ckelt war und befrei­te ihn davon. Ich hielt ihn unter Wasser in meinen Händen, er öff­ne­te die Augen ganz weit und schau­te durch das Wasser nach oben in das Licht. Wir bestaun­ten ihn so eine Weile lang, bis ich ihn schließ­lich aus  dem Wasser hob und ihn auf meine Brust legte und Nahuel ihn mit einem wei­chen Tuch zudeck­te.

 

 

Ich spürte so unend­lich große Erleich­te­rung dar­über es end­lich geschafft zu haben und so tiefe Ent­span­nung und Freude, so rich­tig konnte ich noch nicht begrei­fen was gerade gesche­hen war.

Er war mit viel Käse­schmie­re bedeckt und hatte auf der Nase und auf de Stirn Druck­stel­len, ver­mut­lich wegen der Stern­gu­cker­la­ge. Ganz lang­sam begann der Kleine etwas zu röcheln und zu atmen, wäh­rend die Nabel­schnur inten­siv weiter pochte und die Pla­zen­ta noch in der Gebär­mut­ter ver­blieb. Das Bade­wan­nen­was­ser hatte sich ganz rot ver­färbt.. als es mir zu kühl dort wurde zogen wir ins Bett um, wo er dann zum ersten mal an der Brust nuckel­te.

Mit seinem Nuckeln an der Brust waren auch schon die ersten Nach­we­hen zu spüren, die ich als kräf­tig aber erträg­lich emp­fand. Die Pla­zen­ta war wei­ter­hin in der Gebär­mut­ter fest­ge­wach­sen und die Nabel­schnur hatte über einige wei­te­re Stun­den hinweg einen kräf­ti­gen Puls. Erst nachts unge­fähr um 1 Uhr kam die Pla­zen­ta zur Welt und damit hörte auch das Pochen in der Nabel­schnur auf. Wir waren sehr fas­zi­niert von den Stun­den in denen unser klei­ner aus drei ver­schie­de­nen Quel­len gleich­zei­tig ver­sorgt wurde, der Pla­zen­ta, der Atem­luft und dem Kolos­trum und das über 8 Stun­den nach der Geburt hin­durch!

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächs­ten Tag berei­te­te ich aus einem Stück der Pla­zen­ta und fri­schem Obst einen Smoothie zu, den ich über den Tag ver­teilt zu mir nahm. Nach der Geburt fri­sche Pla­zen­ta zu sich zu nehmen ist sehr för­der­lich für die Hei­lung und Rück­bil­dung der Gebähr­mut­ter und für die Anre­gung und Regu­la­ti­on der Milch­bil­dung.